Bericht – Das Eine-Billion-Dollar-Klimarisiko: ein Fall für einen Systemrisikopuffer
Der Klimawandel ist inzwischen als Quelle finanzieller Risiken für systemrelevante Banken anerkannt. Eine neue Studie von Finance Watch berechnet die fossilen Engagements globaler Banken und zeigt, wie frühzeitiges makroprudenzielles Handeln Banken widerstandsfähiger machen und den Aufbau von Klimarisiken im Finanzsystem verringern kann, ohne die Kreditvergabe einzuschränken.
Anmerkung: Dieser Text ist die Übersetzung eines in englischer Sprache veröffentlichten Texts. Hier das Original lesen

Ein gefährlicher Rückkopplungseffekt in Höhe von einer Billion Dollar
Mit dem unaufhaltsamen Fortschreiten der Klimakrise entstehen neue systemische Risiken, für die insbesondere der Bankensektor anfällig ist. Durch ihre Kredite an die fossile Industrie (1,1 Billionen USD in der Bilanz plus 0,5 Billionen USD außerbilanziell, siehe Bericht S. 9) verstärken die 60 größten Banken der Welt einen doppelten Rückkopplungseffekt. Erstens werden diese fossilen Vermögenswerte auf dem holprigen Weg zur Klimaneutralität unweigerlich stark an Wert verlieren, wodurch Banken erheblichen Transitionsrisiken ausgesetzt sind. Zweitens treiben die umfangreichen fossilen Finanzierungen der Banken die Klimakrise weiter an, was wiederum zum systemweiten Aufbau physischer Klimarisiken beiträgt, denen Banken ebenfalls ausgesetzt sind.
Derzeitige Aufsichtsansätze greifen zu kurz
Aufsichtsbehörden erkennen zwar die Gefahr von Klimarisiken für die Finanzstabilität an und verlangen von Banken, diese Risiken in ihre bestehenden Risikomanagementsysteme einzupreisen. Das Problem: Quantitative Instrumente wie interne Risikomodelle, Stresstests und Offenlegungspflichten sind für den nicht-linearen, zukunftsorientierten Charakter von Klimarisiken kaum geeignet. Sie stützen sich stark auf vergangene Daten oder auf Szenarien, die das Ausmaß und die Komplexität künftiger Klimaauswirkungen systematisch unterschätzen. Das vermittelt den Finanzmärkten eine trügerische Sicherheit. Bislang bleiben die makroprudenziellen Gefahren, die durch den Aufbau von Klimarisiken entstehen, weitgehend unadressiert, wodurch das Finanzsystem zunehmend verwundbar wird.
Kosten und Nutzen eines Klimasystemrisikopuffers
Finance Watch fordert die Einführung eines Klimasystemrisikopuffers und zeigt, wie dieser über einen Loan-to-Value-Ansatz kalibriert werden könnte. Ein solcher Puffer würde die Steuerzahler entlasten, indem er den Aufbau systemischer Risiken frühzeitig eindämmt und die Transitionsverluste der Banken abfedert. Außerdem würde er eine Marktverzerrung beseitigen, eine implizite Subvention von 0,76 Prozent auf fossile Kredite im Wert von rund 8,7 Milliarden USD pro Jahr und die Finanzierungsbedingungen für nachhaltige Unternehmen verbessern. Wichtig ist, dass der Puffer die Kreditvergabe der europäischen Banken nicht einschränken würde (siehe Bericht S. 24), sondern im Gegenteil ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken könnte. Finance Watch fordert die Finanzaufsichtsbehörden auf, im Rahmen ihres Mandats nach Artikel 501c der Eigenkapitalverordnung entschlossen regulatorisch tätig zu werden.
Lesen Sie den Bericht (auf Englisch)
Pressemitteilung
Das Billionen-Dollar-Klimarisiko
Eine neue Studie zeigt die fossilen Engagements der 60 größten Banken der Welt.
Die weltweit größten Banken halten Kredite im Umfang von mehr als 1,6 Billionen US-Dollar gegenüber Kohle-, Öl- und Gasproduzenten sowie fossilen Energieerzeugern, so eine heute von Finance Watch veröffentlichte Studie.
Julia Symon, Leiterin Forschung und Advocacy bei Finance Watch, sagte:
„Banken haben mehr als eine Billion Dollar an Engagements in fehlbewerteten fossilen Vermögenswerten. Das ist eine Carbon Bubble, die wie die Subprime-Kredite im Jahr 2008 platzen könnte. Dieses Risiko wird bislang nicht ausreichend erkannt, und die Banken sind nicht vorbereitet“
„Banken befinden sich praktisch im Blindflug. Ihre Risikomodelle blicken entweder nur in die Vergangenheit oder stützen sich auf Zukunftsszenarien, die die Komplexität des Klimawandels nicht erfassen. So können sich Risiken weiter aufbauen. Ein plötzlicher Politikwechsel oder ein extremes Klimaereignis könnte starke Marktverwerfungen auslösen und fossile Vermögenswerte einbrechen lassen.“
„Noch beunruhigender ist, dass die Fehlbewertung fossiler Kredite die Klimakrise verschärft und Risiken im gesamten Finanzsystem vervielfacht.“
Die Europäische Zentralbank warnte kürzlich, „dass ein nicht hinreichend geordneter Übergang zu einer grünen Wirtschaft zu erheblichen Verlusten des Bankensektors bei Engagements in emissionsintensive Unternehmen führen kann“.
Doch offizielle Daten zeigen, dass Klimarisiken nach wie vor nicht angemessen in die internen Modelle der Banken einfließen.*
Die Forschung von Finance Watch deutet eine Lösung mit überschaubaren Kosten an. Ein klimabezogener Systemrisikopuffer würde Banken ein spezielles Polster gegen Verluste aus fossilen Engagements verschaffen und zugleich den weiteren Aufbau von Klimarisiken bremsen – und damit sowohl das Finanzsystem als auch Steuerzahler vor einer möglichen Krise schützen. Er könnte eingeführt werden, ohne die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu beeinträchtigen.
Nach Berechnungen von Finance Watch ließe sich ein solcher Puffer bei EU-Banken vergleichsweise einfach umsetzen: Sie müssten dafür lediglich Gelder im Gegenwert weniger Wochen an Gewinnen einbehalten.
Greg Ford, Autor der Studie und Senior Advisor bei Finance Watch, sagte:
„Es gibt eine eklatante Regulierungslücke, durch die klimabedingte systemische Risiken in Banken ungebremst wachsen. Unsere Forschung zeigt, dass ein klimabezogener Systemrisikopuffer eine kostengünstige und äußerst wirkungsvolle Lösung wäre, um diese Risiken einzudämmen und Banken widerstandsfähiger zu machen. Entscheidend ist: Er ließe sich einführen, ohne die Kreditvergabe von EU-Banken einzuschränken.
Politik und Aufsicht können nicht ignorieren, dass eine Billion Dollar an fehlbewerteten Klimarisiken in den Bankbilanzen liegt. Je länger gezögert wird, desto größer ist die Gefahr einer ungeordneten Korrektur, die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gesamtwirtschaft treffen wird.”